Dokumentationen

Dokumentation zum Fachtag "Offene Arbeit, Bindung und Beziehung" am 08.03.2016 in Dresden

Wenn ich nur darf, wenn ich soll,

aber nie kann, wenn ich will,

dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.

 

Wenn ich aber darf, wenn ich will,

dann mag ich auch, wenn ich soll,

und dann kann ich auch wenn ich muss.

Denn schließlich: Die können sollen, müssen wollen dürfen.

B.Brecht

 

Frau Lill

 

Am 8. März 2016 folgten rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Einladung des Instituts3L, sich gemeinsam mit Gerlinde Lill in die Thematik der Beziehungs-gestaltung und der Qualität der Beziehung in der Offenen Arbeit zu vertiefen – und um, nicht zuletzt, Beziehung und Bindung zu differenzieren.

Nach einem sehr lebendigen Vortrag von Gerlinde Lill standen die folgenden fünf zentralen Thesen im Raum, welche in den Praxisinseln zur jeweiligen Thematik praktisch und anschaulich gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bewegt wurden.

Das detaillierte Skript zum Vortrag können Sie hier herunterladen sowie hier die Vortragsgliederung der Thesen.

 

 

 

Fünf Thesen

[Auszug aus dem Skript von Gerlinde Lill]

 

1. Offene Arbeit verändert die Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern.

2. Offene Arbeit verändert die Pädagogenrolle.

3. Offene Arbeit verändert das Leben in der Kita.

4. Bindung gehört in die Familie.

5. In der Kita müssen Kinder sich nicht binden. 

 

Eindrücke von den Praxisinseln

 

  • „Café Halb-Offen“Cafe halboffen

[Kathrin Hoppe]

Im Café Halboffen haben wir den Begriff „Halboffene Arbeit“ in den Mittelpunkt der Diskussionen gerückt. Dabei stellte sich recht schnell heraus, dass es keine halbe offene Arbeit gibt. Wer für Wünsche und Bedürfnisse der Kinder offen ist, wird sich in seiner Einrichtung überlegen, wie man diesen pädagogisch gerecht werden kann. Es gibt dafür kein Patentrezept, sondern jede Kita muss ihren eigenen Weg und eigene Strukturen finden. Die TeilnehmerInnen gerieten über die Umsetzung der Offenen Arbeit in einen regen Erfahrungsaustausch. Der Wunsch, eine kindorientierte Pädagogik umzusetzen, war bei allen deutlich spürbar.

 

 

  • „Struktur in der offenen Arbeit???“PI_Frau Leidert

[Marit Leidert]

Im Praxisaustausch stand die Vorstellung von verschiedenen Möglichkeiten im Fokus, die den Erwachsenen mehr Raum und Zeit für Kinder geben. Dabei ging es um verschiedene Strukturen, die eine transparente Übersicht darüber geben, wo sich Kinder aufhalten (Kinderkarten) und wer von den Erwachsenen welche verbindlichen Verantwortungsbereiche im Alltag übernimmt. Ebenso standen Hilfsmittel für die Weiterleitung von Informationen wie der Elternkalender sowie das Teaminformations-buch im Vordergrund, die sich in der Praxis bereits bewährt haben.

Darüber hinaus konnten sich die TeilnehmerInnen einer besonderen Geschichte einer Eingewöhnung (anonymisiert) widmen. Auch hier war ein großes Interesse und ein reger Austausch über „Offene Arbeit, aber wie?“ spürbar.

 

PI_Frau Liebegut

  • „Leitung als Begleitung- Beziehungsarbeit mit KollegInnen“

 [Nadja Liebegut]

Nadja Liebegut thematisierte die Rolle der Leitung in der offenen Arbeit in Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem Team. Dabei ging es um die alltägliche Begleitung von pädagogischen Prozessen, unterschiedliche Entscheidungsebenen (Team, Team und Leitung, Leitung), Formen positiver Rückmeldungen (Weihnachtspost), Stolpersteine sowie Wegen des Gelingens. Ähnlich wie in den beiden anderen Praxisinseln wurde das große Interesse nach dem persönlichen Austausch zum Alltag deutlich.

 

 

  • „Der Rosenbogen - ein Öffnungsprozess in der Krippe“PI_Frau Schendel

[Kathrin Schendel]

Auf dieser Praxisinsel ging es vor allem darum, was in dem Prozess der Veränderung bei den Erwachsenen passiert ist. Es wurden die Schritte, die Zweifel und die Lösungen in einer Geschichte verpackt, welche zum Lesen aushing. Es kamen reichlich Interessierte, welche die Geschichte lasen, jedoch nicht als Diskussionsgrundlage nutzten.

Bei den Gesprächsrunden kamen viele Fragen zur Gestaltung von Mahlzeiten, Schlafsituationen, Gestaltung von Projekten… Das Bedürfnis nach Austausch war groß und wurde rege genutzt.

  

 

  • „Kinder miteinander – Potentiale der Beziehungen der Kinder untereinander“PI_Frau Helfsgott-Kippe

[Jana Helfsgott-Kippe und Johanna Ecke]

„Die offene Arbeit ermöglicht es Kindern auf wunderbare Weise Erfahrungen zu machen hinsichtlich individueller Unterschiede und daraus zu entwickelnden Gemeinsamkeiten und sich dabei Raum und Zeit zu lassen für vertiefende Beziehungen.

Sie offene Arbeit  ermöglicht durch Freiräume und freie Wahl von Zeit, Ort, Nähe und Distanz Geschwisterkindern die Entwicklung sozialer Kompetenzen in emotional bedeutsamer Weise und kann als Vorbild auch für andere Kinder im Umgang mit Geschwistern dienen. […]“ Aufbauend auf dieser Sicht stellten die Kolleginnen ihre Arbeit vor. Eine ausführlichere Reflektion der Praxisinsel finden Sie hier.

 

 

  • „Freiwilllige Beziehung in der offenen Arbeit: Kind-Pädagoge/ Pädagoge-Kind?!“PI_Frau Kamenka und Frau Heidke

[Christiane Heidke und Cornelia Kamenka]

Im Mittelpunkt der Praxisinsel standen Diskussion und Erfahrungsaustausch mit den TeilnehmerInnen darüber, ob Kinder in der Kita immer freiwillige Beziehungen zum Pädagogen eingehen können, in welchen Situationen das der Fall ist und wann nicht. Wo gibt es Grenzen? Was ermöglicht freiwillige Beziehungen in Bezug auf die Struktur, den einzelnen Pädagogen und das gesamte Team? Was (be)hindert freiwillige Beziehungen?

Am Beispiel der Eingewöhnung wurden Erfahrungen der TeilnehmerInnen ausge-tauscht, inwieweit Kinder den Bezugspädagogen wechseln können.

Gleichzeitig wurde diskutiert, inwieweit der Pädagoge immer eine freiwillige Beziehung zum Kind eingehen kann und welche Lösungsansätze es gibt, wenn die Beziehung gestört ist.

 

  • „Schach!!! – Bildungsarbeit ist nur in Beziehung möglich“Schach

 [Andreas Franke]

Auf der Praxisinsel wurden Erfahrungen zum Thema: „Schach in der Kita bzw. im Hort“ anhand von Erfahrungen, Beispielen, Dokumenten, Anekdoten und Geschichten ausgetauscht. Interessierte Teilnehmende gingen miteinander in den Dialog und konnten so von den Teilnehmenden und ihren Erfahrungen partizipieren. So standen Fragen im Raum, wie zum Beispiel: „Wer hat in seiner Einrichtung (Kita/Hort) mindestens ein Schachspiel?

Wer kann selbst Schach spielen bzw. hat eine/n KollegIn, die Schach spielen kann?

In welcher Einrichtung (Kita/Hort) spielen Kinder Schach?“.

In diesem Sinne verstand sich die Praxisinsel auch als ein „Angebot“ im Sinne der Offenen Arbeit. Der Raum/Platz der Insel, die vorhandenen Materialien und Herr Franke waren die „Ressourcen“. Die Teilnehmenden waren (mit)verantwortlich dafür, was hier passierte. Weitere Eindrücke zu dieser Praxisinsel können sie hier einsehen.

 

 

  • „Beziehungen der Kinder untereinander in der offenen Arbeit“PI_Frau Dalianis

[Annette Dalianis]

Wie werde ich allen Kindern gerecht? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Praxisinsel. Fotos aus der Kita der Referentin haben diesbezüglich eine rege Diskussion in Gang gesetzt. Grundsätzlich war das Fazit in allen Runden: „Wir müssen und können den Kindern mehr zutrauen!“.

Im Zentrum der Diskussion standen folgende Punkte:

-       das freie Angebot des Schlafens oder auch „Wachbleibens“ – „Wie sieht das in der Praxis aus?“

-       Gestaltung des Mittagessens in freiwillig gewählten Essenrunden

-       Freie Wahl zwischen Drinnen und Draußen.

 

  • „Inklusion und offene Arbeit“PI-Inklusion

 [Heike Herrmann und Anika Richter]

Die zentrale Aussage auf der Praxisinsel lautete: „Inklusion verlangt die Anpassung der Strukturen an die Bedürfnisse der jeweiligen Kinder und nicht die Anpassung der Kinder an feste Strukturen.“ Die Erfahrungen im Modellprojekt zeigen, dass das Konzept der Offenen Arbeit die größtmöglichen Spielräume schafft, um bedürfnis- und teilhabeorientiert, also inklusiv zu arbeiten.

Die Teilnehmerinnen brachten viele Erfahrungen im Umgang mit Heterogenität und „speziellen“ Bedürfnissen von Kindern ein. In der Diskussion über mögliche pädagogische Handlungsstrategien zur Bewältigung der Herausforderungen konnte ein Perspektivwechsel im Sinne der inklusiven Strukturen angeregt werden.

 

  • „Wer ist der Bestimmer? Rechte von Kindern“PI_Frau Dr. Lill

[Gerlinde Lill]

 Es wurde ein Arbeitsinstrument vorgestellt, das Teams, Leitungsrunden oder Trägervertreterinnen dabei unterstützen soll, sich Klarheit über die gemeinsam zu vertretenden pädagogischen Positionen zu verschaffen, über Streitpunkte und Übereinstimmungen, vor allem aber über deren jeweilige Begründungen.

Welche Selbstbestimmungsrechte werden den Kindern zugestanden – mit welchem Ziel? Welche Mitbestimmungsrechte haben die Kinder – und was heißt das konkret? (Mitsprache oder „echte“ Mitbestimmung?) Und welche Vorgaben machen die Erwachsenen mit welchen Absichten? 

Anliegen war, zu zeigen, dass wir Erwachsenen auch in der Offenen Arbeit weiterhin die Bestimmer sind, entscheiden und zu verantworten haben, was wir entscheiden – je gemeinsamer, umso besser.

 

Die Interessen der Teilnehmerinnen

In beiden Runden setzte sich das Bedürfnis durch, über konkrete Beispiele aus dem Leben mit den Kindern (und deren Eltern) zu reden, Tipps zu bekommen und voneinander zu profitieren. Themen waren (unter anderem): Partizipation in parlamentarischen Formen wie Kinderkonferenzen, der Morgenkreis als obligatorische oder freiwillige Veranstaltung, der Umgang mit fordernden oder drohenden Eltern (Essen, Schlafen, Aufsichtspflicht) und die eigenen Schritte auf dem offenen Weg.

So ging zum späten Nachmittag ein bewegter und eindrucksvoller Fachtag zu Ende, der Mut auf dem Weg zu offenen Strukturen mitgab.

AbschlussAbschluss

 

 

WamikiTür

 

 

 

 

 

 

 

  Katze 

Krimi

Buch

 

 

  

 

 

 

 

 

 

Vielen Dank, dass sie bei uns waren! 

Nelke

 

08.04.2016