Dokumentationen

Fachtag Offene Arbeit mit Frau Prof. Dr. Rabe-Kleberg am 15.08.2017 in Jena

Am  15. August 2017 führte das Institut 3L im  Akademiehotel der Thüringer Sozialakademie gGmbH den Fachtag  „Offene Arbeit?!“ durch.

Erfreulich war die sehr große Resonanz auf dieses Thema – ein ausgebuchter Fachtag  zeigt, dass es hier noch einen großen Verständigungsbedarf gibt. Ziel war es, auf der einen Seite die theoretischen Grundlagen für eine neue, kindzentrierte Pädagogik aufzuzeigen sowie in Rahmen der Workshops, in denen die Zeit leider wie immer zu kurz war, Praktikerinnen und Praktiker zu Wort kommen zu lassen.

Frau Prof. Dr. Rabe-Kleberg

Frau Prof. Dr. Ursula Rabe-Kleberg, emeritierte Professorin der Universität Halle/Wittenberg,  hielt den Vortrag „Offene Arbeit in Kitas. Voraussetzungen, Chancen und Herausforderungen“. Sie sprach davon, dass der Begriff der Offenen Arbeit sehr umstritten ist – teilweise soll er nicht verwandt werden, weil Vorbehalte, schlechte Erfahrungen und negative Erzählungen bei Eltern zu Irritation oder Ablehnung führen. Offene Arbeit, die Frau Prof. Rabe-Kleberg das erste Mal im Pen Green Centre in Corby gesehen hat, geht vom Prinzip aus: „Dort wo Kinder sind, ist nichts fertig!“ Die Offenheit für die Themen und Prozesse der Kinder stellt die Grundlage für das pädagogische Handeln dar.

Im Folgenden geht die Professorin auf die veränderten Lebenswelten von Kindern heute ein. Wie hat sich die Gesellschaft verändert? Wo erleben Kinder einen Raum für gesellschaftliche Teilhabe, welche öffentlichen Räume sind ihnen noch frei zugänglich bzw. attraktiv? Kinder sind in spezifischer Weise davon abhängig, was wir Erwachsenen für gut für Kinder halten: welche Bildungsinhalte sind die richtigen, was dürfen Kinder und was nicht? Herkunft, Milieu, Wohnort, Religion, Geschlecht und Kompetenzen entscheiden über Spiel- und Streifräume für Kinder – hier bestehen große Unterschiede. Wir leben in einer Zeit der starken Kontrolle der Kinder. Die Kontrolle durch Eltern und Professionelle ist fast allgegenwärtig und hat die brüchigeren sozialen Kontrollen durch Nachbarn ersetzt. Der Streif- und Spielraum von Kindern hat sich seit den 70er-Jahren in allen industriellen Ländern weltweit um die Hälfte verringert. Kinder sind verdrängt auf „Inseln“ wie Kitas, Spielplätze, Schulhöfe, Vereine usw., auf denen das Leben risikoärmer, sauberer und unter Aufsicht stattfindet. Die Auswahl und Attraktivität dieser Inseln ist wieder abhängig davon, welche Zugänge die Erwachsenen den Kindern ermöglichen. Außerdem verlagert sich Kindheit immer mehr „von außen nach innen“  wir sprechen von einer Verhäuslichung von Kindheit.

Somit stellt sich auch für die Kita die Frage: was können wir tun, um Kindern Spielräume und Möglichkeiten zur Teilhabe an der Gesellschaft zu geben.

Kita sollte eine Art Basislager dafür sein, in welchem Kinder sich ausstatten für ihre Entdeckungszüge in soziale Räume. Räume sind dann Bildungsräume, wenn sie Anregungen für Kopf, Hand und Herz zur Verfügung stellen. Gegenstände und Materialien sollten die Kinder zum  „Umnutzen“ einladen und nicht von vornherein nur für eine Tätigkeit definiert sein. Altersvorgaben und Beschränkungen behindern kindliche Lernprozesse. Räume für Kinder sind nie fertig. Kinder benötigen Rückzugsmöglichkeiten und Platz für ihre Schätze…

Frau Prof. Rabe-Kleberg berichtet darüber, dass im Rahmen eines sächsischen Landesmodellprojektes des Instituts 3L aktuell Qualitätsstandards entwickelt werden, die die Kindertageseinrichtungen dabei unterstützen sollen, ihren je eigenen Weg in die Offene Arbeit zu finden. Diese werden spätestens 2018 über die Seite des Institutes zugänglich sein.

Dem Vortrag schlossen sich anregende Kommentare und Fragen aus dem Publikum an und dann ging es in die Mittagspause, nach der die Workshops stattfanden.

Frau Prof. Rabe-Kleberg arbeitete mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu „Kindern Beachtung schenken: Beobachtung und Dokumentation in der Offenen Arbeit“; Andrea Stüber, Kitaleiterin und Frau  Löwe, stellvertretende Kita-Leiterin boten jeweils einen Workshop zur „Offenen Arbeit mit Krippenkindern“ an; Mario Braun, Kita-Leiter sowie Kerstin Reitzig, Regionalleiterin der Thüringer Sozialakademie arbeiteten zum Thema „Vom Einzelkämpfer zum Team: es geht nur gemeinsam“ und die „Raumgestaltung in der Offenen Arbeit“ wurde von der Kita-Leiterin Grit Förster direkt in der Kita „Am Sportforum“ sowie (ohne die direkte Möglichkeit eine Kita zu betreten – aber mit vielen Bildern und Beispielen aus verschiedenen Kitas) von Jana Juhran, Institut 3L, angeboten.

Zum Abschluss des Tages gab es noch Einblicke in die Arbeit der sieben Workshops, ein großes Dankeschön an die Referentinnen und Referenten und nicht zuletzt an die Besatzung des Hotels, die der Veranstaltung einen sehr guten Rahmen gaben. 

Vortrag

Foyer